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Auszug aus dem Roman

Shirin fühlte sich unwohl, wenngleich sie jemanden heiratete, den sie sehr liebte; und obwohl sie wegen ihrer Hochzeit in große Euphorie schwelgen sollte, die vor allem die Familienmitglieder, nahe Verwandten und Shirins Freundinnen in vollen Zügen zeigten, fühlte sie  sich zittrig wie ein frischgeborenes Lamm, vielleicht der Gründung einer Familie nicht gewachsen zu sein.

Sie war sehr schüchtern bedingt durch ihre Geschichte und ihre Erlebnisse wahrscheinlich, die sie auf Schritt und Tritt begleiteten. Ihre Regungen und ihr ständiges Spähen, ob jemand sie beobachtete, konnte sie kaum kontrollieren.

Ihr rechtes Auge versteckte sich hinter ihren dunkelblond geflochtenen Haarsträhnen, die durch die rote Abendsonne rosa leuchteten, die hinter der Ziegelmauer noch ihre Anwesenheit bekundete und damit die entlang der Mauer hängenden Lichterketten und die Laternen samt summenden Stechmücken und Nachtfalter noch große Konkurrenz machte.

Die Sonnenstrahlen drängten sich zwischen einigen abgenutzten Ziegeln hindurch. Sie drängten durch die Blätter und Äste des großen Orangenbaumes und des Kirschbaumes im Hof, und warfen Lichtflecke auf die Steinplatten im Hof. Die Strahlen vermittelten gleichwohl eine Sanftheit, die die Gäste wohl und freudig stimmten. Bei dem Anblick wärmte es ums Herz.

Die Kinder verteilten sich, wenn auch nicht für jedes Kind vorhanden, auf die Lichtflecke auf dem Boden, die ab und zu ihre Intensität verloren, weil die Äste und die Blätter sich in den Wind legten, und hin und her klatschten und damit das Licht unterbrachen.

Sie spielten Verstecken und machten einen reibungslosen Durchgang der Gäste in den Hof unmöglich, da sie unweigerlich zwischen den Kindern, den Tischen und den Stühlen manövrieren mussten, als wären sie benommen.

Ein Paar Gedichte

VERNEBELT


der mond
halbschatten im gesicht,
– der heimkehrer im licht
an der grenze zur sonne –
ist die todes-
stimme;
trunken an dunkelheit.
was bliebe außer
gehen.
DIE ZEIT


zum abschied
nähert sich langsam
für dich
bleibt keine entscheidung
zögere nicht
du musst fort
die zeit
bleibt nicht stehen
deine erinnerungen
packe sie ein
weg
sie kommen
dich
zu fangen
du musst fort
fremder.
SPRICH!


Mit wind
in ihm verbirgt sich
dein gesuchtes wort viel-
leicht vergisst dann
dein verstummen
die buchstaben festzuhalten
GELBER STERN


genäht am mantel
rechts
um später ihn
aus dem herzen
zu zerren
das zeichen war auf der flucht
suche nach erkenntnis
suche nach identität
verbannt in der zeit
verschlossen im raum
noch heute
DER ZUG


nahm verschlossen
im takt
eure gesichter
mit sich
– schwarze stäbe
ganz dicht
nacheinander –